Die Geschichte des Roten Kreuz

Henry Dunant      Schlacht von Solferino      ICRC      Genfer Konventionen

 

Die Geschichte von Henry Dunant

 

Henry Dunant (1828-1910), Begründer des Roten KreuzesHenry Dunant, geboren am 8. Mai 1828 in Genf, kam aus einer calvinistisch geprägten Familie die für ihre Wohltätigkeit bekannt war. Ohne höheren Schulabschluß begann er eine Ausbildung als Bankangestellter. Im Jahre 1853 reiste er nach Algerien und übernahm die Leitung der Schweizer Kolonie Sétif. Dort baute Henry Dunant eine Getreidemühle, konnte sie jedoch nicht in Betrieb nehmen, da ihm die nötige Konzession fehlte. Nach einer Reise durch Tunesien kehrte er nach Genf zurück. Von dort aus wollte er Napoleon III aufsuchen der ihm die benötigte Konzession ausstellen konnte. Der Eroberer befehligte zu dieser Zeit die französisch-sardinischen Truppen. Sie kämpften in Norditalien gegen die Österreicher. So kam es, dass Henry Dunant am Ende der Schlacht von Solferino in der Lombardei auf dem Schlachtfeld erschien.

Nachdem Dunants nach Genf zurückgekehrt war schrieb er die Erinnerungen an Solferino nieder. Diese führten schließlich zur Gründung des Internationalen Kommitees zur Versorgung Verwundeter. Dem heutigen "International Committee of the Red Cross (ICRC)". Dunant war ein Mitglied des Kommitees und fungierte als Geschäftsführer. Sein Bekanntheitsgrad nahm immer weiter zu und er wurde von unzähligen Staatshäuptern und anderen wichtigen Personen des Zeitgeschehens empfangen. Seine finanzielle Lage verschlimmerte sich jedoch immer weiter und 1867 war Dunant endgültig Bankrott. Insgesamt stand er mit fast einer Millionen Schweizer Franken in der Kreide.

Als unmittelbare Folge dieses Konkurses trat Dunant mit allen Funktionen aus dem Kommitee aus. Am 8. September 1867 akzeptierte das Kommitee seinen Rücktritt als Geschäftsführer. Henry Dunant reiste nach Paris, wo er auf Parkbänken die Nächte verbrachte. Zur gleichen Zeit rief ihn Kaiserin Eugénie in den Palais de Tuileries. Die Kaiserin wollte Dunant zur Erweiterung der Genfer Konventionen auf die Kriegsführung zur See befragen. Dunant wurde Ehrenmitglied der nationalen Rotkreuzbewegungen in Österreich, den Niederlanden, Schweden, Preußen und Spanien.

Während des französisch-preussischen Konfliktes im Jahre 1870 besuchte Dunant die nach Paris gebrachten Verwundeten und spendete ihnen Trost. Er führte die Militärmarke ein, um Gefallene identifizieren zu können. Als der Frieden wiederhergestellt war, strebte Dunant die Einberufung einer diplomatischen Konferenz an, die das Problem der Kriegsgefangenen lösen sollte. Der Zar beflügelte ihn in dem Plan, Großbritannien war diesem Plan jedoch feindlich gesinnt.

Auf Initiave Henry Dunants wurde am 1. Februar 1857 in London ein internationaler Kongreß zur "Abschaffung der Sklaverei und des Sklavenhandels" einberufen. Für Dunant folgten Jahre der Wanderschaft und völliger Armut: er erwanderte den Elsaß, Deutschland und Italien, lebte dabei von der Wohltätigkeit und Gastfreundschaft weniger Freunde.

Seine Reise endete im Jahr 1887 im schweizerischen Dorf Heiden. Dort erkrankte er und fand Unterschlupf in einem örtlichen Hospiz. Der Journalist Georg Baumberger entdeckte Dunant 1895 in diesem Hospiz und schrieb einen Artikel über ihn. Der wurde innerhalb weniger Tage in ganz Europa verbreitet. Über Nacht war Dunant einmal mehr wieder zum Mittelpunkt des öffentlichen Interesses geworden und erhielt 1901 den Friedensnobelpreis.

Henry Dunant starb am 30. Oktober 1910.

 

 

die Schlacht von Solferino

 

Schlacht von Solferino, 24. Juni 1859Solferino ist ein kleiner Ort in Oberitalien, 10 km südlich des Gardasees, mit 2500 Einwohnern. Dieser Ort ist untrennbar mit dem Namen Henry Dunants verbunden. Er gilt als Geburtsstätte des Rotkreuz-Gedankens. "Erinnerungen an Solferino" ist der Titel eines Buches, in dem Henry Dunant seine Erlebnisse aus dem Krieg zwischen Italienern und Franzosen gegen die Österreicher im Jahr 1859 niederschrieb.

Die Schlacht von Solferino am 24. Juni 1859 war die entscheidende Episode im Kampf für die Einheit Italiens. Dunant wurde Augenzeuge einer der blutigsten Schlachten der Geschichte, der bei Solferino in der lombardischen Tiefebene. Die Franzosen, alliiert mit den Sarden und dem Eroberer Napoleon III an ihrer Spitze standen den österreichischen Truppen gegenüber. Der erste Schusswechsel erfolgte um 3 Uhr morgens. Um 6 Uhr war bereits eine riesige Schlacht in Gange. An die 300 000 Soldaten metzelten sich gegenseitig nieder. Am Nachmittag begaben sich die Österreicher auf den Rückzug.

Über 6 000 tote und 40 000 verwundete Soldaten blieben an diesem 24.Juni auf den Feldern liegen. Die medizinischen Versorgungseinheiten der Franzosen und Sarden waren absolut überfordert: die Franzosen hatten mehr Veterinärmediziner als Humanmediziner, Transporte konnten nicht durchgeführt werden und Verbandmaterial wurde schon zuvor zurückgelassen. Die Verwundeten, die noch selbst dazu fähig waren, machten sich auf den Weg nach "Castiglione", dem nächstgelegenen Dorf. Immerhin 9.000 schafften es und überfluteten das Städtchen auf der Suche nach Wasser und Essen. Zusammen mit dem Ortsgeistlichen Don Lorenzo und einigen Freiwilligen leistete der reiche Bankier Dunant Erste Hilfe. Diese schreckliche Erfahrung brachte ihn auf die Idee, eine internationale Hilfsorganisation für Kriegsopfer zu gründen.

Heute erinnert das Denkmal des Roten Kreuzes in einem Park oberhalb des Dorfes an diese Geburtsstunde. 77 Nationen, deren Namen in Steine aus den jeweiligen Ländern gehauen sind, bekunden ihre Zugehörigkeit zum humanitären Gedanken Dunants. Alljährlich besuchen Hunderttausende das Dorf Solferino - den ideellen Mittelpunkt des Roten Kreuzes.

 

 

Gründung des ICRC (International Committee of the Red Cross)

 

Am 24. Juni 1859, während des italienischen Unabhängigkeitskriegs trafen die französisch-sardischen Truppen auf die Österreicher. Dies passierte in der Nähe des Städtchens Solferino. Am gleichen Tag war auch ein Genfer Bürger, Henry Dunant, in der Gegend um Napoleon III wegen einer persönlichen Angelegenheit zu sprechen. Am Abend der Schlacht kam Dunant im Ort Castiglione an, dort hatten mehr als 9 000 Verwundete Unterschlupf gesucht. In der Kirche des Ortes lagen unzählige Soldaten, unbeaufsichtigt und ohne jegliche Versorgung. Dunant und die Frauen des Dorfes kümmerten sich Tag und Nacht um die Verwundeten, gaben ihnen Wasser und Essen, versorgten die Wunden und gaben vor allem seelischen Beistand.

Henry Dunant blieb bis zum 27. Juni und kehrte nach Genf zurück, wo er am 11. Juli ankam. Er hatte akute finanzielle Probleme, konnte jedoch die Erlebnisse an Solferino nicht vergessen. Im Jahre 1862 veröffentlichte er diese "Erinnerungen an Solferino". Darin beschrieb er die Schlacht und die Situation der Verwundeten. Die Fragen und Schlußfolgerungen, die er in seinem Buch folgerte, führten zur Entstehung des Roten Kreuzes. Er forderte die militärischen Institutionen zur Formulierung von "...internationalen Prinzipien, festgelegt durch eine Konvention und gewaltfrei in ihrem Charakter, welche zugestimmt und ratifiziert, die Basis zur Schaffung von Gesellschaften, die das Wohlergehen Verwundeter in verschiedenen europäischen Staaten bilden sollten", auf. Diese Forderung haben die Genfer Konventionen aus der Taufe gehoben.

Das Buch Henry Dunants war ein Riesenerfolg, es wurde in fast alle Weltsprachen übersetzt und wurde von den einflussreichsten Personen des Zeitgeschehens gelesen. Zwischen ihnen war auch der Genfer Anwalt Gustave Moynier, Vorsitzender eines örtlichen Wohlfahrtsvereins. Am 9. Februar 1863 stellte er die Folgerungen Dunants Werk seinem Komitee aus fünf Mitglieder vor. Diese sollten Dunants Schlußfolgerungen genauer diskutieren.

Dunant, Moynier, Dufour, Appia, MaunoirDieses Komitee wurde gebildet von Moynier, Dunant, General Guillaume-Henri Dufour, Dr. Louis Appia und Dr.Théodore Maunoir. Das "Internationale Komitee zur Verwundetenversorgung" wurde schnell bekannt als "Internationales Komitee des Roten Kreuzes" (IKRK). Es traf sich erstmals am 17. Februar 1863. Direkt vom Beginn an hatte man im Auge, dass die Freiwilligen, die Dunant rekrutierte effektiv und ohne Risiko der Behinderung durch Militärs arbeiten konnten. Dies konnte nur geschehen, sofern man sie von Zivilisten und Soldaten durch ein charakteristisches Merkmal unterscheiden konnte. Dem Konzept folgend, dem medizinischen Dienst und den freiwilligen Schwestern einen neutralen Status zu geben.

Am 25. August 1863 entschied das Komitee die Einberufung einer internationalen Konferenz zur Verbesserung der medizinischen Leistungen bei militärischen Einsätzen. Einladungen wurden an alle europäischen Staaten und führende Persönlichkeiten versandt. Die Konferenz wurde durch General Dufour am 26. Oktober 1863 eröffnet. Insgesamt waren 36 Teilnehmer zugegen, davon 14 Regierungsdelegierte, sechs Delegierte verschiedener Organisationen und sieben Privatleute. Die beidseitige Annäherung von Privatpersonen und staatlichen Vertretern wurde auch bei weiteren Konferenzen des IKRK immer berücksichtigt.

Die Konferenz des Jahres 1863 basierte auf einer vom internationalen Komitee vorbereiteten Konvention. Es endete mit der Beschließung von zehn Resolutionen, die das Wohlergehen verwundeter Soldaten sicherstellen sollten.

 

Die Genfer Konventionen

 

"Personen, die nicht unmittelbar an den Feindseligkeiten teilnehmen, einschließlich der Mitglieder der Streitkräfte, welche die Waffen gestreckt haben, und der Personen, die durch Krankheit, Verwundung, Gefangennahme oder irgendeine andere Ursache außer Kampf gesetzt sind, werden unter allen Umständen mit Menschlichkeit behandelt, ohne jede auf Rasse, Farbe, Religion oder Glauben, Geschlecht, Geburt oder Vermögen oder auf irgendeinem anderen ähnlichen Unterscheidungsmerkmal beruhende Benachteiligung" (Art. 3 II GA I-IV)  

Dieser Satz, der sich in allen vier Genfer Abkommen an gleicher Stelle mit identischem Wortlaut findet, stellt die Grundlage der gesamten Abkommen und zugleich ihre Kurzfassung dar. Er gilt in jeder kriegerischen Auseinandersetzung, unabhängig davon, ob die kriegführenden Mächte die Genfer Abkommen ratifiziert haben oder nicht. 
Schon die strikte Einhaltung allein dieses Satzes würde helfen, die Grausamkeiten und das Leid des Krieges zu lindern, zumindest für diejenigen, die nicht (mehr) aktiv an den Kämpfen beteiligt sind. Um diesen Personenkreis geht es in allen vier Genfer Abkommen und den Zusatzprotokollen.  
Wem der Schutz der einzelnen Abkommen gilt, lässt sich aus den Titeln ablesen: 

I. Genfer Abkommen zur Verbesserung des Loses der Verwundeten und Kranken der bewaffneten Kräfte im Felde vom 12.August 1949

II. Genfer Abkommen zur Verbesserung des Loses der Verwundeten, der Kranken und der Schiffbrüchigen der bewaffneten Kräfte zur See vom 12. August 1949  

III. Genfer Abkommen über die Behandlung von Kriegsgefangenen vom 12. August 1949  

IV. Genfer Abkommen über den Schutz der Zivilpersonen in Kriegszeiten vom 12. August 1949

I. Zusatzprotokoll zu den Genfer Abkommen vom 12. August 1949 über den Schutz der Opfer internationaler bewaffneter Konflikte

II. Zusatzprotokoll zu den Genfer Abkommen vom 12. August 1949 über den Schutz der Opfer nicht internationaler bewaffneter Konflikte

Die Kenntnis dieser Übereinkünfte  und ihre Befolgung kann das Leid des Krieges lindern helfen.
Es ist deshalb eine der Hauptaufgaben der weltweiten Rotkreuz- /Rothalbmond-bewegung, dafür zu sorgen, dass die Genfer Abkommen eine weite Verbreitung finden, d. h. dass möglichst viele Staaten sie ratifizieren, um so den Regeln der Menschlichkeit auch im Krieg Gültigkeit zu verschaffen. 


Das Internationale Komitee des Roten Kreuzes (ICRC) entwarf in den Jahren 1974 bis 1977 zwei Zusatzprotokolle, die das internationale humanitäre Recht weiterentwickeln sollten. Leider hat bis heute allerdings nur eine Minderheit der Staaten diese Zusatzprotokolle unterzeichnet: 49 Staaten das erste Protokoll über internationale, 42 Staaten das zweite über interne bewaffnete Konflikte. Weder die Großmächte mit Ausnahme Chinas, noch die Bundesrepublik Deutschland haben bisher unterzeichnet.